Interview

Nutzerbefragung Alter Schlachthof

In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten „Netzwerke“ und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Diesmal geht es um den Alten Schlachthof Karlsruhe, genauer gesagt um die gerade fertiggestellte erste Nutzerbefragung auf dem Gelände. Das K³-Team ist hierbei im Gespräch mit Nora Wegner, die mit ihrem Büro für Besucherforschung | Evaluation | Kulturmanagement selbst auf dem Alten Schlachthof ansässig ist und die Befragung durchgeführt hat.

Wie wurde diese erste Nutzerbefragung auf den Weg gebracht und mit welcher Zielsetzung wurde sie durchgeführt?

Die Nutzerbefragung wurde initiiert vom K³-Büro und dem Verein ausgeschlachtet e.V., und zwar im Rahmen des Symposiums "Einblicke – Ausblicke". 10 Jahre nach Beginn der Konversion des Geländes sollte in Erfahrung gebracht werden, wer denn tatsächlich auf dem Alten Schlachthof ansässig ist, was den Nutzerinnen und Nutzern dort gut gefällt und wo noch Wünsche zur Verbesserung bestehen. Da mein Büro auf Besucherforschung und Evaluation im Kulturbereich spezialisiert ist und ich zusätzlich als Nutzerin auf dem Gelände angesiedelt bin, wurde ich dann mit der Durchführung der Nutzerbefragung beauftragt.

Welche Inhalte wurden im Zuge der Nutzerbefragung abgefragt?

Zum einen ging es darum, wirklich zum ersten Mal in großem Umfang Daten zur Nutzerstruktur auf dem Alten Schlachthof zu erheben. Hierunter fällt zum Beispiel, welche Branchen vertreten sind oder wie viele Unternehmen und Personen sich auf dem Areal angesiedelt haben, außerdem wurden Angaben zu Auftragslage und Umsatz abgefragt. Ein zweiter Schwerpunkt der Befragung war die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer mit dem Gelände, zum Beispiel in Bezug auf den Mehrwert des Standorts Alter Schlachthof für das Unternehmen, die Möglichkeiten zur Kooperation oder die angebotenen Hilfestellungen. In diesem Zuge konnten auch Wünsche geäußert und Verbesserungsvorschläge angebracht werden.

Wie wurde die Nutzerbefragung dann konkret umgesetzt?

Im Vorfeld wurde die Befragung gemeinsam abgestimmt und entwickelt mit dem K³-Büro und dem Verein ausgeschlachtet e.V., außerdem mussten alle Untermieter recherchiert werden, um auch wirklich ein vollständiges Ergebnis abbilden zu können. Per Link ging die Online-Umfrage dann an alle Nutzerinnen und Nutzer, die innerhalb eines Zeitraums von drei Wochen ihr Unternehmen beschreiben und Strukturdaten angeben, sowie in einem anonymen Teil ihre Einschätzung zur Zufriedenheit äußern konnten. Die Nutzerbefragung wurde erst im März 2015 durchgeführt und liefert somit tatsächlich sehr aktuelle Daten.

Wie lautet das grundlegende Fazit der Nutzerbefragung?

Die Nutzerbefragung zeigt, dass die Kultur- und Kreativschaffenden auf dem Areal insgesamt sehr zufrieden sind mit dem Standort Alter Schlachthof, so konnte zum Beispiel eine sehr hohe Zufriedenheit von 95 % ermittelt werden. Es wurden auch zahlreiche Vorteile des Geländes betont, so werden besonders das kreative Umfeld und die Atmosphäre auf dem Alten Schlachthof geschätzt sowie die Möglichkeit, Kooperationen eingehen zu können und sich untereinander auszutauschen. Auf der anderen Seite wurden auch einige Verbesserungsvorschläge geäußert, so wünschen sich die Nutzerinnen und Nutzer vor allem bei der Vergabe der Räumlichkeiten und der Auswahl der neuen Unternehmen mehr Transparenz und Mitbestimmung. Bezüglich der Infrastruktur sehen die Befragten ebenfalls Verbesserungsbedarf, zum Beispiel im Bereich der Außengestaltung, um das Gelände weiter zu beleben und Kommunikationsorte zu schaffen. Außerdem benötigen sie mehr Einkaufsmöglichkeiten, zusätzliche Räume oder eigentlich profane Dinge wie Briefkasten und Paketstation. Abgesehen davon existieren jetzt aktuelle und vollständige Zahlen in Bezug auf die ansässigen Unternehmen, die so vorher noch nicht da waren. So lässt sich zum Beispiel sagen, dass auf dem Alten Schlachthof 108 Unternehmen und Einrichtungen der Kultur- und Kreativwirtschaft mit insgesamt über 800 Personen angesiedelt sind, wenn man auch die geringfügigen, freien und ehrenamtlichen Mitarbeiter mitzählt.

Gibt es auch Ergebnisse, die besonders überraschen?

Besonders überraschend fand ich persönlich die teilweise sehr großen und deutlichen Zahlen, zum Beispiel was die Anzahl der Mitarbeiter angeht, aber auch die Anzahl der Kunden und Auftraggeber, die im Jahr 2014 bei über 2.000 lag. Auch die Zahl der Besucher und Gäste ist beeindruckend, so kamen 2014 über 240.000 Menschen auf den Alten Schlachthof.

Eine weitere besondere Zahl ist die Beteiligung an der Nutzerumfrage, die bei 81 % lag. Was sagt das über die Resonanz der Umfrage und generell zur Situation auf dem Alten Schlachthof aus?

Von den 108 befragten Unternehmen haben 87 geantwortet, das bedeutet, dass mit 81 % ein toller und sehr aussagekräftiger Rücklauf erreicht werden konnte, den man selten bei Online-Befragungen dieser Art beobachten kann. Das sagt schon viel darüber aus, dass den Nutzerinnen und Nutzern das Gelände wirklich wichtig ist, dass man sich auch die Zeit nimmt, die Befragung auszufüllen und dass die Bereitschaft vorhanden ist, sich für den Standort Alter Schlachthof zu engagieren.

Wie werden die Ergebnisse der Nutzerbefragung jetzt weiter verwendet?

Erst einmal werden die Ergebnisse jetzt veröffentlicht, das ist natürlich wichtig, damit sich alle Befragten ein umfangreiches Bild machen können, nachdem ich im Zuge des Symposiums bereits einen kleinen Einblick geben konnte. Dann bekommen auch alle anderen Beteiligten die ausführlichen Ergebnisse, wie zum Beispiel das K³-Büro, ausgeschlachtet e.V. oder die Vermietergesellschaft Fächer GmbH. Ich hoffe sehr, dass die Ergebnisse dazu führen, dass man noch weiter in den Austausch tritt und die Ergebnisse diskutiert werden. Und dass die Nutzerbefragung als Grundlage genutzt wird, um das Gelände weiter zu verbessern und positiv zu entwickeln, damit die Nutzerinnen und Nutzer weiter so zufrieden oder sogar noch zufriedener sein können.

Wie schon angesprochen bist du selbst mit deinem Büro auf dem Alten Schlachthof angesiedelt. Welche sind deine persönlichen Eindrücke?

Vor eineinhalb Jahren bin ich mit meinem Büro auf den Alten Schlachthof gezogen, vorher war ich in Stuttgart ansässig. Ich konnte die tolle Gelegenheit ergreifen, mich hier in einer Mietergemeinschaft anzusiedeln. Mit meinem Büro bin ich spezialisiert auf Forschung und Evaluation für Kultureinrichtungen, also als Dienstleisterin für den Kulturbereich tätig. Für mich stellt sich der Alte Schlachthof als eine sehr gute Möglichkeit dar, sich untereinander auszutauschen und in einer besonderen Atmosphäre zu arbeiten.