• 23. Januar 2017

    Fablab-Karlsruhe

    fablab-karlsruhe

    Interview mit FabLab

     

    In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten "Netzwerke" und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Diesmal ist das K³-Team im Gespräch mit Christian Caroli, dem 1. Vorsitzenden des FabLabs; ein gemeinnütziger Verein für alle Bastler der Neuzeit und die, die es noch werden wollen.

    Seit 2014 gibt es die kleine aber feine Werkstatt auf dem Gelände des alten Schlachthofs und bietet dort Raum, Maschinen und das nötige Know-How für Macher, Kreative und Menschen mit Ideen. In den noch kleinen Räumlichkeiten findet man Geräte wie 3D-Drucker, Lasercutter, Plotter und andere. Bald wird das FabLab in die Großmarkthalle ziehen und die ersten Vorbereitungen werden schon getroffen…

     

    K³: Erst einmal wollen wir die wichtigste Frage klären: Was ist überhaupt das FabLab?

    Caroli: Das FabLab ist ein eingetragener Verein. Bei uns kann jeder Mitglied werden, der Lust hat zu basteln. Das heißt: Bildung und Qualifikation ist egal. Vorkenntnisse werden nicht gebraucht, da alles hier gelernt werden kann. Unter den knapp 160 Mitgliedern findet ein reger Austausch statt und wenn mal jemand etwas nicht kann, dann gibt es immer eine helfende Hand. Das Alter ist auch völlig irrelevant. Hier sind alle dabei, von 10 bis 80 Jahren. Die nehmen auch bei allem teil und sind bei uns voll integriert. Hauptsache is,t man hat Spaß am Machen.

    Alles in allem kann man sagen, dass das Basteln wieder in ist, nur eben auf anderem Niveau.

    Nicht mehr mit Laubsäge sondern gleich mit LaserCutter!
     

    K³: Wie seid ihr auf die Idee gekommen diesen Verein zu gründen?

    Das Konzept von FabLabs gibt’s schon länger. Das kam aus Amerika und wurde langsam in Deutschland bekannt und da haben wir es dann auch mitbekommen. Christoph Schneider hat 2013 eine Mail rumgeschickt und gefragt ob wir nicht ein FabLab haben wollen und die ging an jeden, der Interesse haben könnte. Das war die Initialzündung und die hat ausgesprochen gut eingeschlagen. Beim ersten Treffen waren es 40 Leute und beim zweiten dann schon 60. Wir haben uns dann alle zwei Wochen getroffen und das so nach und nach entwickelt. Letztendlich wurde dann entschieden, einen Verein zu bilden, welcher Anfang 2014 gegründet wurde.

    Dann kam das K³ und es hat von Anfang an gepasst. Dank der KFE gab es bald ein Angebot für Räumlichkeiten hier auf dem Schlachthof. Gleich nachdem der Vertrag unterschrieben war fand hier der Tag der offenen Tür statt. Dabei kamen viele neue Mitglieder hinzu und darauf hier alles so nach und nach aufgebaut.

     

    K³: Wann wird denn hier gebastelt?

    Caroli: Unsere Öffnungszeiten unter der Woche sind ziemlich regelmäßig. Es gibt LabSitter, welche die Befugnis haben, die Werkstatt aufzumachen - und  nicht ganz so regelmäßig kommen die auch am Wochenende. Auf unserer Homepage kann man aber immer sehen, ob jemand da ist und dementsprechend das FabLab auch offen ist.

    Abgesehen davon haben wir auch verschiedene Events und Workshops. Zum Beispiel den Lab-Donnerstag. Dieser Tag wird immer freigehalten für verschiedene Sachen wie Kurse über verschiedenen Themen. Manchmal zu ganz speziellen Themen aber auch generelle Einführungskurse für die verschiedenen Geräte. Ab und an gibt es auch Gastvorträge und auch Workshops in denen man zusammen etwas baut.

     

    K³: Wie kann man Mitglied bei euch werden?

    Caroli: Man kann eigentlich einfach nur her kommen und mitmachen! Es gibt dann noch einen Vertrag und das war es im Großen und Ganzen auch schon. Wir haben eine Mitgliedsgebühr, die aber eher eine Richtlinie ist: Für Studenten 10 Euro im Monat und bei Berufstätigen 20 €. Wenn es bei jemandem nicht reicht oder derjenige gar nicht so oft vorbei kommt, dann kann man da auch runter gehen. Es gibt aber auch ein paar Leute, die sagen, es ist so toll und sie kommen so oft her, dass sie einfach ein bisschen mehr zahlen. Das ist alles absolut in Ordnung und so trägt sich der Verein.

     

     

    K³: So schafft ihr dann auch die ganzen Gerätschaften an?

    Caroli: Jein. Die Geräte sind zum Teil sehr teuer und daher sind wir angewiesen auf Spenden. Entweder aus privater Hand oder sogar von Unternehmen. Manchmal gibt es auch Kellerfunde hier, die jemand nicht mehr gebraucht hat oder die gar nicht mehr funktionieren. Das kann alles sehr gerne bei uns vorbeigebracht werden und hier wird dann versucht, das wieder in Schuss zu bringen. Auch Ausgemustertes, wie zum Beispiel Regale oder alte Geräte werden angenommen. Also wir kommen über die Runden

     

    K³: Was wird sich alles mit dem Umzug ändern?

    Caroli: Ein FabLab muss sich immer (mit)entwickeln können. Im Moment kommt auf eine Person eine halber Quadratmeter und nach dem Umzug wär's tatsächlich mehr als einer pro Person!

    Das heißt wir machen einen Sprung auf fast das Dreifache vom Platz und in der Anfangszeit wäre es echt schön, falls uns jemand dabei unterstützt. Wir sind dabei auf jeden Fall offen für Sponsoren. Durch den  Umzug brauchen wir auf jeden Fall mehr Sachen und das wird teuer.

    Mit mehr Platz kann man auch ganz neue Projekte ins Auge fassen, die jetzt einfach noch nicht machbar sind. Es ist eine Aufteilung der Räumlichkeiten geplant, damit es einen Ort gibt, in dem man sich austauschen kann, aber auch mehr Arbeitsplätze sowie Raum für Schulungen.

    Mit mehr Kapazität tun sich ganz neue Möglichkeiten auf für die Arten von Arbeiten die bei uns möglich sein werden. Dazu gehören unter anderem Projekte mit Holzstaub oder anderen Materialien wie Farben, Spraydosen, etc. Einfach das, wofür sich unsere Mitglieder interessieren. Der komplette Platz wird auf jeden Fall genutzt!

     

    K³: Warum habt ihr denn so lange gewartet mit dem Ausbau? Ihr platzt ja schon länger aus allen Nähten.

    Es war uns wirklich sehr wichtig auf dem alten Schlachthof zu bleiben. Wir fühlen uns wohl hier, haben viele Freunde gefunden und finden, dass wir super hier her passen. Vor einiger Zeit gab es sogar eine Umfrage unter allen Mitgliedern, denn es war  schon lange klar, dass  mehr

    Platz gebraucht wird. Die Frage war, ob gewartet wird, bis hier ein Platz verfügbar wird oder  etwas anderes gesucht werden sollte. Mit einer überwältigen Mehrheit wurde gestimmt: Nein! Wir bleiben hier! Wir gehören hier hin!

    Überglücklich, in Großmarkthalle zu dürfen, sind wir uns sicher: Der Platz wird gut genutzt. Auch ist die Vorfreude auf die Nachbarn groß. Kunsthandwerk und Produktdesign passt ausgezeichnet zu uns und es ist ja jetzt schon toll mit dem Atelierhaus hier. Man kann sich immer helfen, hier sind immer Leute. Es gehört

    einfach dazu.

    K³: Hast du noch eine Nachricht an jeden, der Interesse an eurem Verein hat?

    Caroli: Einfach mal vorbei kommen! Am Open Lab Day, immer der dritte Donnerstag im Monat sind wir dann speziell für die Leute da, die Interesse haben, machen kleine Führungen und zeigen die Geräte. Das ist ideal für die Leute, die sich das mal anschauen wollen. Andere, die eher konkretes Interesse haben, können einfach so mal vorbeikommen und sich die Sache anschauen und vielleicht sogar ein Projekt mitbringen. Dann probiert man das einfach ein paar Mal aus und entscheidet sich, ob man richtig mitmachen will.

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    15.10.2014

    The Commodore Room

    In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten "Netzwerke" und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Diesmal ist das K³-Team im Gespräch mit Eva & Craig Judkins vom Commodore Room, einem Social/Co-working Space in der Amalienstraße 4, die im Mai 2014 mit dem K³-Sonderpreis "Karlsruher Arbeitswelten" ausgezeichnet wurden. Was genau ist der Commodore Room und welche Idee steckt dahinter?
    Nachdem wir in der Vergangenheit in einer Bürogemeinschaft gearbeitet haben, kam uns die Idee zu unserem Social/Co-working Space. Vor allem der soziale Aspekt und die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch waren uns dabei wichtig. Ursprünglich wollten wir gerne eine Verbindung nach außen schaffen, zum Beispiel durch ein Ladengeschäft, das die Leute bei Interesse jederzeit betreten können. Letztendlich haben unsere aktuellen Räumen einen gegensätzlichen Reiz: Nach außen nur erkennbar an einem kleinen Klingelschild findet man den Eingang zum Commodore Room. Das Eintreten ist dann wie eine Zeitreise, wir haben hier eine eigene kleine Welt erschaffen, quasi aus dem Nichts. Durch die Unterstützung von Freunden und die besondere Einrichtung aus „Secondhandstücken“ ist der Commodore Room zu dem geworden was er heute ist. Um bewusst den sozialen Aspekt in den Vordergrund zu stellen haben wir die Arbeitsplätze im kleineren der beiden Räume eingerichtet, der schlicht und eher futuristisch gestaltet ist. Hier kann fokussiert und konzentriert gearbeitet werden. Im größeren Raum hingegen, der sehr prunkvoll und überladen eingerichtet ist, kann man seine Gedanken schweifen und sich inspirieren lassen. Natürlich kann man auch gemeinsam an der Bar etwas trinken und sich austauschen. Wenn man sich die Einrichtung hier anschaut, fühlt man sich fast wie auf hoher See, wie seid Ihr auf diese Idee und den Namen "Commodore Room" gekommen?
    Die Inspiration für den Namen kommt aus der Fernsehserie, "Boardwalk Empire", in der es auch einen Commodore Room gibt. Dieses nautische Element passt sehr gut zu Craig, er ist ein großer Angler und Motorbootfahrer.
    Zudem haben uns viele Leute – passend zum Community-Gedanken - Sachen zu dem Thema vorbeigebracht. Auf die eigene kleine Szene die sich hier im Laufe der Zeit entwickelt hat sind wir stolz.  Für uns ist es ein besonderes Erlebnis zu sehen, dass alles möglich ist, wenn viele Menschen mit ähnlichen Wünschen und Interessen zusammenkommen. Wie genau sieht denn Euer Angebot an Co-working Spaces aus?
    Einen Tisch kann man hier für eine Woche oder auch einen ganz Monat mieten. Der Tisch kostet pro Woche 50 Euro und den ganzen Monat 200 Euro. Das Angebot kommt gut an, momentan sind alle unsere sechs Tische belegt. Wir haben sogar eine Warteliste. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, den großen Raum für Events wie Schulungen oder Workshops zu buchen. Was für Events und Projekte veranstaltet Ihr hier sonst noch?
    Wir haben freitags eine Happy Hour von 18 bis 20 Uhr, da kann jeder gerne vorbeikommen und sich alles anschauen. In dieser Zeit verlangen wir nichts für Drinks, das läuft stattdessen auf Spendenbasis. Wir nehmen auch an Fundraising-Events teil, beispielsweise für die Diakonie oder auch gerade erst für das Imbibe Magazine aus Portland, Oregon: Eine Woche lang ging von einem Cocktail, ein Euro an einen guten Zweck. Des Weiteren finden bei uns noch andere Events statt, wie zum Beispiel der Turtleneck Club, also der Rollkragenpullover-Club: Zutritt bekommt nur, wer auch Rollkragen trägt. Außerdem ermöglichen uns unsere zahlreichen Kontakte Veranstaltungen mit internationalen Gästen sowie Gast-Barkeepern zu organisieren. Gibt es eine bestimmte Zielgruppe für den Commodore Room?
    Nein, unser Publikum ist bunt gemischt. Nach der Registrierung auf einer Co-working Seite hatten wir Zulauf aus unterschiedlichen Bereichen wie IT, Customer Service und Webdesign. Weitere Werbung ist nicht nötig, da inzwischen fast alles über Mund-zu-Mund-Propaganda läuft. In diesem Jahr habt Ihr auch den vom K³ Büro gestifteten Mekaward Sonderpreis "Karlsruher Arbeitswelten" erhalten. Erzählt uns ein bisschen davon!
    Es ging darum, eine Zukunftsvision zu erstellen, wie die Arbeitswelt in 2020 aussehen könnte. Wir haben gemerkt, dass man neben dem Arbeiten und am Schreibtisch sitzen einfach noch eine zweite Komponente braucht, sonst laugt einen die Arbeit total aus. Das kann dann die Arbeit in einem Café oder hinter einer Bar sein, oder auch etwas Handwerkliches. Daraufhin haben wir die Idee einfach weitergesponnen und uns überlegt, dass man ja noch einen weiteren Co-working Space gründen könnte, der an diese zweite Komponente angegliedert ist. Wichtig ist eben, dass man diese zwei Welten hat, diese konzentrierte Arbeitswelt, aus der man aber mit einem Schritt hinaustreten kann in eine andere Welt. Das soll einfach dazu dienen, im Kopf beweglich zu bleiben und sich immer wieder neu zu inspirieren. Wie sehen Eure eigenen Pläne für die Zukunft aus?
    Ich denke, der Commodore Room wird erstmal einfach so weiterlaufen. Natürlich wäre es auch schön, noch einen neuen Co-working Space zu gründen mit einem öffentlichen Konzept. Dafür sind wir immer auf der Suche nach passenden Locations, es muss eben gerade von der Lage gut passen. Wir scheuen uns auf jeden Fall nicht, zu renovieren oder etwas Neues zu schaffen! Wie seht Ihr allgemein die Situation hier in Karlsruhe?
    Karlsruhe steht auf der Schwelle zur Großstadt. Das macht es auf der einen Seite leicht innovativ zu sein, weil es hier einfach noch nicht so viele interessante Sachen gibt. Auf der anderen Seite fehlt einem aber das interessierte Publikum bzw. die richtigen Leute zu erreichen dauert einfach lang, weil viele inzwischen einfach aufgegeben haben selber zu suchen. Positiv ist an Karlsruhe, dass es so vielschichtig ist. Man entdeckt immer wieder neue Facetten, die man selbst nach 14 Jahren in Karlsruhe nicht kannte. Vor gerade einmal ein paar Jahren wart Ihr selbst noch ganz am Anfang, aber schon voller Tatendrang, Eure Idee in die Realität umzusetzen, was könnt Ihr aus Euren eigenen Erfahrungen als Tipp an andere Gründer weitergeben?
    Heute sind wir nach einigen Jahren harter Arbeit endlich da, wo wir mit dem Commodore Room sein wollten, aber dafür haben wir schon einen langen Atem gebraucht. Es gab viele Phasen, in denen ich das Projekt in Frage gestellt habe, gerade weil wir viel Geld investiert hatten und nicht wussten, ob der Plan aufgehen würde. Ich denke aber, das gehört immer dazu. Alles braucht eben seine Zeit, man muss dranbleiben und die richtigen Leute finden, die einen unterstützen. Von heute auf morgen ist so ein Projekt nicht umzusetzen. Eva & Craig Judkins leben seit fast 15 Jahren in Karlsruhe und haben zusammen ein Grafikstudio mit dem Namen Special Machine. 2012 haben sie den Commodore Room als Social/Co-working Space gegründet. Weitere Beiträge im Journal.
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    05.09.2014

    Fettschmelze

    In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten "Netzwerke" und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Diesmal ist das K³-Team im Gespräch mit Kristof Knauer von der Fettschmelze auf dem Alten Schlachthof. Was ist die Fettschmelze und welche Idee steckt dahinter?Sinn und Zweck ist erstmal eine Bürogemeinschaft für Kreativschaffende. Ich betreibe die Fettschmelze zusammen mit Lukas Hechinger, der Steckwerk ins Leben gerufen hat, daneben gibt es aber zum Beispiel auch Architekten und Designer bei uns, das wechselt natürlich mit der Zeit. Aktuell arbeiten 6-7 Personen in der Bürogemeinschaft. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen und was musste noch passieren, bis Ihr 2012 dann starten konntet?Wir haben schon vor der Fettschmelze Veranstaltungen hier auf dem Alten Schlachthof organisiert, wie das Undergrounddinner oder Wild am Sonntag. Dadurch sind wir dann auf die Fettschmelze aufmerksam geworden und haben sie für uns entdeckt. Nach meinem Studium habe ich dann ein Nutzungskonzept für das Haus bei der Stadt eingereicht, und schließlich fiel die Entscheidung, dass wir mit der Fettschmelze als Bürogemeinschaft starten können. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden gab es in der Fettschmelze zuvor bereits eine Umnutzung, sodass wir sie mehr oder weniger nutzen konnten, wie sie war. Trotzdem gab es am Anfang noch viel Arbeit. Zwei bis drei Monate haben wir schon noch renoviert bevor wir einziehen konnten. Wie sieht bei Euch in der Bürogemeinschaft die Zusammenarbeit aus? Gibt es zum Beispiel auch gemeinsame Projekte?Zunächst arbeitet hier jeder an seinen eigenen Projekten. In letzter Zeit gab es allerdings immer mehr Überschneidungen in einzelnen Punkten, sodass wir uns auch gegenseitig bei Projekten unterstützen. Die Fettschmelze besteht aber nicht nur aus der Bürogemeinschaft, sondern auch aus Veranstaltungsräumen, wie werden die genutzt?Richtig, zu unserem Konzept gehören auch die Veranstaltungsräume, momentan finden dort sehr unterschiedliche Formate statt. Das können Kunstausstellungen sein, aber auch Party- oder Dinnerveranstaltungen. Anfangs haben wir einfach viel ausprobiert, mittlerweile hat sich mehr oder weniger herausgestellt, welche Events sich gut mit dem Bürobetrieb vereinbaren lassen, das sind vor allem auch Veranstaltungen am Wochenende und Ausstellungen. Eine dieser regelmäßigen Veranstaltungen ist Wild am Sonntag, worum geht es dabei und wie kam die Idee dazu?Wild am Sonntag gab es schon, bevor wir in die Fettschmelze kamen und ist eine Sommerveranstaltung im Freien mit DJs, Getränken und Snacks, das Ganze fängt nachmittags an und geht bis abends. Wir wollten auch sonntags eine Veranstaltung haben, die in einem gemütlichen Rahmen elektronische Musik bietet und bei der man das Wochenende ausklingen lassen kann. Wild am Sonntag bietet genau das und kommt einfach sehr gut bei den Leuten an. Gibt es aktuelle Projekte und Veranstaltungen, die Ihr uns näher vorstellen wollt?Am 13. September, am Tag des Karlsruher Galerienrundgangs, ist die Eröffnung für eine Ausstellung von Max Santo mit dem Titel "Der Schatten des Löwen". Die Ausstellung wird dann bis zum 29.September zu sehen sein. Es wird eine installative Arbeit sein, die sich stark mit dem bestehenden Raum auseinandersetzt.Darauf sind wir schon sehr gespannt, da er auch mit dem vorhandenen Raum arbeiten wird. Allgemein funktioniert die Fettschmelze als Ausstellungsraum besonders gut, wenn sich die Künstler mit den Räumlichkeiten auseinandersetzen. Wie wird es für die Fettschmelze in Zukunft weitergehen?Als wir damals mit dem Projekt begonnen haben, dachten wir, wir würden für vielleicht ein oder zwei Jahre die Fettschmelze nutzen, mittlerweile haben wir aber gemerkt, dass das alles in seiner jetzigen Form sehr gut funktioniert. Momentan planen wir auf jeden Fall, länger hier zu bleiben, in welche Richtung wir weitergehen ist aber noch offen, wir wollen uns derzeit noch nicht festlegen und auch nichts ausschließen! Wie seht Ihr selbst Eure besondere Rolle auf dem Alten Schlachthof?Ich glaube schon, dass wir eine besondere Rolle einnehmen, weil wir untypischerweise in das Gebäude kamen, bevor eine große Sanierung stattfand, was ja normalerweise andersrum passiert. Die Fettschmelze tut dem Gelände ganz gut, weil wir auch Veranstaltungen machen, die sich nicht in ein klassisches Bild pressen lassen und auch eigenständig sind. Dadurch kann sich viel entwickeln, egal ob für Leute die auf dem Schlachthof arbeiten oder als Besucher herkommen. Wie würdest Du generell das Zusammenleben auf dem Alten Schlachthof beschreiben?Ich finde, das wird immer besser, es gibt immer mehr Austausch und es gibt auch andere Büros, wie zum Beispiel die netzstrategen, die regelmäßig Veranstaltungen organisieren. Dieser Austausch ist auf jeden Fall vorhanden, auch wenn er noch nicht unbedingt im großen Rahmen auf einer geschäftlichen Ebene stattfindet. Das braucht aber auch einfach viel Zeit. Generell habe ich das Gefühl, dass sich hier alles sehr positiv entwickelt und in eine richtige Richtung geht. Hast Du selbst wertvolle Tipps für Gründer, wie sie ihre Idee erfolgreich umsetzen können?Besonders wichtig ist Durchhaltevermögen, aber das hört man ja sehr oft. Beratung kann am Anfang helfen auch um in Kontakt mit anderen Gründern zu kommen und sich austauschen zu können. Der psychologische Aspekt des selbstständigen Arbeitens wird am Anfang gerne unterschätzt. Man muss schließlich ständig hinterher sein, dass auch Geld reinkommt und man sich finanzieren kann. Der heißeste Tipp: Anfangen! Einfach mal machen, und auch nicht auf zu viel Rat von außen setzen, wenn man nämlich ständig hört, auf was man alles achten muss, hilft einem das im Zweifel auch nicht unbedingt weiter. Man lernt meiner Erfahrung nach mehr, wenn man versucht, schnell an den Markt zu kommen und die Reaktionen abzuwarten. Vieles kann geplant werden, was natürlich auch wichtig ist, aber oftmals ist es besser, Dinge einfach in die Tat umzusetzen. Kristof Knauer hat Architektur studiert und während des Studiums das Projekt Undergrounddinner gegründet. Zusammen mit Lukas Hechinger hat er 2012 die Bürogemeinschaft in der Fettschmelze auf dem Alten Schlachthof ins Leben gerufen. Weitere Beiträge im Journal.
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    19.08.2014

    Architekturschaufenster e.V.

    In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten Netzwerke und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Diesmal ist das K³-Team im Gespräch mit Simone Kraft, seit Juni 2014 Geschäftsführerin des Architekturschaufensters e.V. in Karlsruhe. Das Architekturschaufenster wurde 2007 gegründet, was genau ist die Idee dahinter und was sind seine Aufgaben? Das Architekturschaufenster ist ein Ausstellungsraum in der Karlsruher Waldstraße, gleich gegenüber dem Kunstverein. Dort finden regelmäßig Ausstellungen, Tagungen, Seminare und Workshops sowie Infoveranstaltungen rund um die Themen Architektur und Baukultur statt. Wichtig ist uns, das Bewusstsein für unsere gebaute Umwelt zu schärfen – und dies gerne sehr breit gefasst: Baukultur meint die Gestaltung unserer Umwelt, Architektur und Stadtplanung ebenso wie Landschaftsarchitektur, die Gestaltung des öffentlichen Raums oder Inneneinrichtung. Tatsächlich ist dies eine Thematik, die in der breiten Öffentlichkeit oft zu kurz kommt – überraschend eigentlich, denn Gebautes beeinflusst unser Lebensumfeld grundlegend. Wie wir wohnen, wie wir arbeiten, auch kulturelle und historische Identität beispielsweise wird von Architektur mit geformt. Gebautes – und dazu zählen Häuser ebenso wie etwa Straßen oder Brücken – umgibt uns ständig. Trotzdem beachten wir es meist kaum – ganz im Gegensatz zu einer anderen „Hülle“ unseres Alltags, der Kleidung... Hier setzt das Architekturschaufenster an und versucht mit verschiedenen Projekten für diese Themen zu sensibilisieren – an den Schnittstellen von Architektur, Kunst und Design. Das ist uns wichtig: Der selbstgestellte Auftrag des Architekturschaufensters beschränkt sich ausdrücklich nicht auf die bauenden und planenden Disziplinen, sondern lotet die Schnittstellen zu Kunst und Design aus. Untergebracht sind wir in den Räumen der Bezirksstelle der Architektenkammer; dort ist auch unsere Geschäftsstelle zu finden. Gibt es einen besonderen Bezug zu Karlsruhe? Das Architekturschaufenster bezieht sich in seinen Aktivitäten auch gezielt auf aktuelle lokale baukulturelle Fragen. Es sorgt für fachlichen Input und öffnet die Diskussion für ein breites Publikum. Dabei wird der konstruktive Austausch und nicht die plakative Gegenüberstellung der einzelnen Positionen gesucht. In diesem Sinne steht das Architekturschaufenster auch für die fachliche Diskussion mit der Stadtpolitik und der Verwaltung zur Verfügung, ohne durch eine Parteinahme in lokalen Auseinandersetzungen die eigene Unabhängigkeit aufzugeben. Außerdem kooperieren wir regelmäßig für gemeinsame Projekte mit dem KIT und der HTW Karlsruhe, aber auch mit städtischen Institutionen wie dem Stadtplanungsamt oder auch mit der Volkswohnung. Wie hat sich das Architekturschaufenster seit seiner Gründung entwickelt? Tatsächlich hat es sich sehr gut entwickelt, vor allem auch dank der Initiative der ehemaligen Geschäftsführerin Hanna Hinrichs, die das Programm in den letzten Jahren für ein noch breiteres Publikum geöffnet hat. Das Architekturschaufenster hat sich mittlerweile etabliert als Anlaufstelle für Baukultur in Karlsruhe –  neben verschiedenen Ausstellungskooperationen z.B. mit dem KIT oder dem BDA und BDIA kommen, wie schon erwähnt, immer wieder auch Akteure der Stadt zu uns, um ihre Projekte der Öffentlichkeit vorzustellen und zur Diskussion zu stellen. Können Sie uns kurz einige Projekte/Veranstaltungen des Architekturschaufensters vorstellen? Die Ausstellungen sind sehr vielfältig. Gerade ist eine Ausstellung des BDIA, des Bundes deutscher Innenarchitekten, zu sehen – Handbuch Innenarchitektur 2014/2015, die 21 ausgezeichnete Projekte zur Innenraumgestaltung präsentiert. Davor gab es ein Gastspiel des KIT, Architektur in Palästina 1918–1948, das eine historische Perspektive entwickelt hat. Es wurden Beispiele des Städte- und Siedlungsbaus in Palästina in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts präsentiert, bei dem erstaunlich viele deutsche Architekten mitgewirkt haben. Und auch das Stadtplanungsamt war vor Kurzem erst zu Gast und hat drei konzeptuelle Ergebnisse der Planungswerkstatt zum Räumlichen Leitbild 2015 vorgestellt. Wer steckt dahinter? Das Architekturschaufenster ist seit seiner Gründung 2007 als Verein strukturiert, in dem unterschiedliche Disziplinen aufeinandertreffen. Der Vorstand etwa setzt sich zusammen aus Hubert Schmidtler (Freier Architekt), Prof. Kurt Wagner (Freier Innenarchitekt), Stefan Helleckes (Freier Landschaftsarchitekt) und Dr. Harald Ringler (Stadtplaner), die ihr spezifisches Know-how und ihre Interessen ins Programm einbringen. Außerdem gibt es eine Geschäftsstelle, die das Tagesgeschäft führt und als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Wer ist bei Ihnen Mitglied? Ähnlich wie der Vorstand ist auch das Profil unserer Mitglieder strukturiert – es reicht von vielen selbst baulich Tätigen, Architekten und Stadtplanern, Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten, bis hin zu zunehmend mehr „fachfremden“, aber an Baukultur sehr interessierten Mitgliedern, Privatleuten ebenso wie Studenten. Mehr Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie hier. Wie finanzieren Sie diese Projekte und Ihre Arbeit allgemein? Wir werden durch die Architektenkammer und über Mitgliedsbeiträge sowie projektbezogen durch die Stadt unterstützt. Daher ist es natürlich auch sehr wichtig für uns, neue Mitglieder zu gewinnen! Anders wäre es nicht möglich, so ein umfangreiches und vielfältiges Programm aufzubauen und kontinuierlich auf diesem Niveau durchzuführen.Viele unserer Ausstellungen kommen als Kooperationen ins Schaufenster, das heißt, wir konzipieren nur in einzelnen Fällen, dazu sind gar nicht die Möglichkeiten da, sondern bieten Infrastruktur und Unterstützung an, beim Aufbau, bei der Pressearbeit, bei der Organisation allgemein. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft des Architekturschaufensters und gibt es ein aktuelles Projekt, dass Sie uns gerne näher vorstellen möchten? In der nächsten Zeit werden einige neue Ausstellungsformate entwickelt. So wird es in Zukunft etwa mehr Raum für Kunst und Fotografie, natürlich stets mit Blick auf die Architektur, geben. Ein Format wird beispielsweise der Architekturfotografie gewidmet sein – und zwar nicht nur der klassisch-dokumentarischen, sondern auch spannenden Spielarten der Architekturfotografie! Außerdem gibt es Planungen, das Schaufenster selbst noch intensiver als Ausstellungsraum mit einzubeziehen. Und nicht zuletzt wollen wir den Fokus auf den kreativen „raumgestaltenden“ Nachwuchs lenken. Aber allzu viel wollen wir nicht verraten – kurz: es bleibt spannend und lohnt sich, immer mal wieder beim Architekturschaufenster vorbeizuschlendern. Wie sehen Sie allgemein die Situation der Kultur- und Kreativwirtschaft in Karlsruhe? Aktuell ist gerade die Situation im Kreativgelände um den Schlachthof, wo auch das Perfekt Futur und K³ angesiedelt sind, sehr spannend! Durch die Umwandlung des alten Schlachthofs in ein Gebiet für „kulturaffines Gewerbe“ reiht sich Karlsruhe in die Städte ein, die dieses Potenzial für eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung erkannt haben. Neben bereits etablierten Firmen finden hier auch Absolventen der Hochschulen als Gründer gute Startpositionen. Hierfür bietet sich das Architekturschaufenster gerne gelegentlich als „Schaufenster“ in der Innenstadt an.   Simone Kraft ist Kunst- und Architekturhistorikerin mit Basis in Heidelberg und Wurzeln in der Region Karlsruhe. Sie arbeitet als freie Kuratorin und Journalistin mit Schwerpunkt auf der Verbindung von Kunst und Architektur und betreibt das Online-Magazin deconarch.com, seit Juni 2014 ist sie Geschäftsführerin des Architekturschaufensters.   Weitere Beiträge im Journal.
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    03.07.2014

    GameLab Karlsruhe

    In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten Netzwerke und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Diesmal ist das K³-Team im Gespräch mit Dr. Stephan Schwingeler und Greta Hoffmann vom GameLab an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG). Was genau ist das GameLab und was sind seine Aufgaben? Im GameLab sollen interaktive Kunst und das Spiel als Kunstwerk zusammengefasst werden, das Lab in GameLab steht hier allerdings nicht für Laboratory, sondern für Label: Wir wollten an der HfG ein Label haben, unter dem Künstler der Hochschule interaktive Kunst und Spiele veröffentlichen können, in dieser Form präsentieren wir uns außerdem auch auf Ausstellungen und Konferenzen. Darüber hinaus hat das GameLab die Aufgabe zu produzieren und zu forschen, nämlich an den Schnittstellen von Kunst und Spiel, das heißt bei uns entstehen Spiele und künstlerische Projekte. Was uns dabei besonders interessiert ist der künstlerische Ausdruck, deshalb ist das GameLab an der HfG auch im Bereich der Medienkunst bei Prof. Michael Bielicky angesiedelt, der früh festgestellt hat, dass es sehr viele Berührungspunkte zwischen Computerspielen und klassischer Medienkunst gibt. In genau dieser Hinsicht unterscheiden wir uns auch von anderen Labeln: Wir legen hohen Wert auf eine starke Verknüpfung von Theorie und Praxis, uns geht es auch nicht so sehr darum zu vermitteln, wie man möglichst realistische 3D-Modelle und Texturen baut. Unser Anspruch ist vielmehr, dass das Ergebnis am Ende auch fundiert ist und das Spiel als Kunstform verstanden wird, dementsprechend bauen wir auch unsere Seminarstruktur auf. Welche Ziele steckten hinter der Gründung des GameLab? Prof. Bielicky, Adam Rafinski und Jens M. Stober haben das GameLab 2010 gegründet, weil sie erkannt haben, dass Computerspiele als Massenmedium eine gesteigerte Relevanz erhalten haben: Dinge, die in der Medienkunst bereits erprobt wurden, zeigen sich immer mehr auch im Medium Computerspiel, man könnte also von einer Demokratisierung von Medienkunst sprechen. Das alles präsentiert sich mittlerweile im Computerspiel als Massenmedium, das sich jeder im Laden kaufen kann. Die HfG ist schließlich auch eine kontemporäre Hochschule und versucht deshalb, in all ihren Fachbereichen immer nah am Zeitgeschehen zu sein. Die Relevanz des Mediums Spiel ist in den letzten Jahren was die Wissenschaft und die Technik, aber auch das Künstlerische angeht einfach radikal gestiegen, da wollen wir natürlich dranbleiben! Hierbei zu erwähnen ist auch, dass die HfG schon über Heinrich Klotz als Gründungsdirektor eine enge Verbindung zum ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Anm. d. Red.) hat, die auch intensiv über das GameLab ausgelebt wird. Am ZKM gab es schon seit der Eröffnung 1997 Computerspiele in einer Daueraustellung, die mittlerweile unter dem Titel Gameplay redesignt und neueröffnet worden ist. Wie hat sich das GameLab seither entwickelt und wie ist es mittlerweile innerhalb der Hochschule positioniert? In den letzten Jahren ist das GameLab stetig gewachsen, das heißt es gab mehr Teilnehmer und die Verknüpfungen zum ZKM und auch zum KIT (Karlsruher Institut für Technologie, Anm. d. Red.) konnten weiter vertieft werden. So bietet gerade die Zusammenarbeit mit dem KIT die Möglichkeit, unsere Ideen von Design und Konzept in Kontakt mit den Leuten zu bringen, die diese Vorstellungen dann konkret umsetzen können, wodurch noch mehr Spiele entstehen. Darüber hinaus partizipieren wir verstärkt an Game Jams und Messen wie zum Beispiel an der Gamescom in diesem Jahr. Man merkt einfach, dass das ganze Medium Spiel mittlerweile stärker anerkannt und als vollkommen natürliches künstlerisches Medium akzeptiert wird, was sich auch auf die Sicht auf das GameLab auswirkt. Im nächsten Jahr ist die HfG wieder eine der weit über 400 Locations des Global Game Jam, worum geht es dabei und was erhofft ihr euch von der Veranstaltung? Der Global Game Jam ist eine Veranstaltung die auf der ganzen Welt synchron stattfindet, man kann sich das so vorstellen wie einen sogenannten Stegreif in der Architektur: Innerhalb von nur 48 Stunden werden in Teams Spiele zu einem bestimmten Thema entwickelt, bei der letzten Auflage waren es über 3500. Das sind natürlich sehr kleine Spiele mit sehr experimentellem und rohem Charakter, es sind aber oft sehr innovative Ideen dabei und teilweise entwickeln die Spiele nach dem Global Game Jam ein Nachleben und werden weiter ausgearbeitet, wir nehmen zum Beispiel die Arbeiten die in diesem Rahmen am GameLab entstehen auch in unser Portfolio auf. An der HfG beteiligen wir uns im nächsten Jahr schon zum vierten Mal und es ist schön zu sehen, dass die Veranstaltung auf immer mehr Interesse stößt, nicht nur innerhalb der Hochschule, sondern auch am KIT und bei den in Karlsruhe angesiedelten Spielefirmen. Gerade diese Durchmischung und auch der spontane Charakter machen den Global Game Jam zu einer sehr interessanten Veranstaltung für uns. Gibt es noch weitere Projekte, die ihr uns gerne vorstellen wollt? Mit Sicherheit interessant ist you are hero, ein Projekt das aus einem Seminar zum Thema Realitydesign entstanden ist und bei dem ein großer Teil des GameLab beteiligt war. Es geht dabei um ein Alternate Reality Game das wir in der ganzen Stadt gespielt haben und das auch über das Projektbüro Städte im Wissenschaftsjahr von der Stadt Karlsruhe gefördert wurde. Wir sind also nicht nur auf der digitalen Ebene unterwegs, sondern haben auch Interesse an der Frage, wie wir unsere Umwelt und das reale Leben spielerisch gestalten können. In diesem Zusammenhang ist für uns natürlich auch das Stichwort Gamification interessant, was gerade in aller Munde ist, allerdings wie immer bei uns unter einem experimentellen und künstlerischen Aspekt. Daneben you are hero aber auch einen sozialen Ansatz, nämlich wie man mit spielerischen Mitteln Gutes tun kann in der Welt, was wir ebenfalls wichtig finden. Worauf achtet ihr bei der Zusammenstellung der angebotenen Seminare? Was die Seminare angeht, muss es auf jeden Fall eine Mischung aus dem theoretischen Anspruch und dem sein, was praktisch möglich ist, manchmal kann es auch sein, dass uns ein bestimmtes Spielegenre gerade besonders interessiert und wir uns das einmal näher anschauen möchten. Von den Studierenden kommen aber auch sehr viele Impulse, das ist auch wichtig für die Seminare, es können immer Vorschläge gemacht und eigene Ideen eingebracht werden. Wir versuchen einfach ein Umfeld zu bieten, in dem Projekte entwickelt werden können, das heißt wir stellen hauptsächlich eine Seminarstruktur zur Verfügung, in der genug Raum dazu da ist und die Leute sich kennenlernen können. Diese Projekte werden dann individuell betreut, weil das viel fruchtbarer ist, als ein Thema starr vorzugeben mit einem festen Stundenplan. Wir stellen dafür die Materialien zur Verfügung, geben als Rücksprachepartner Tipps und unterstützen bei Fragen, grundsätzlich soll Freiraum vorhanden sein, ein eigenes künstlerisches Projekt umzusetzen. Wer kann bei euch mitmachen? Auf der einen Seite kann man bei uns als Studierender tatsächlich Scheine bekommen für die umgesetzten Projekte, das gilt natürlich für Eingeschriebene an der HfG aber auch für Studierende anderer Karlsruher Hochschulen, die eine entsprechende Kooperation mit der HfG haben, wie zum Beispiel das KIT. Grundsätzlich ist bei uns aber jeder herzlich willkommen, der an Games interessiert ist und frischen Input bringt. Einen offenen theoretischen Abend veranstalten wir jeden Mittwoch Abend um 18 Uhr in der HfG im Raum Entropia, da kann jeder der Lust hat einfach mal vorbeischauen! Wie gestaltet sich aus eurer Sicht die Zusammenarbeit zwischen GameLab und K³-Büro? Wir finden es wunderbar, dass das K³-Büro auf uns zugekommen ist und wir freuen uns sehr, dass ein Interesse besteht und das GameLab wahrgenommen wird als relevante Institution in Karlsruhe, wenn es um Computerspiele und Spielekunst geht. Wir sind froh, dazuzugehören und hoffen, dass die Zusammenarbeit auch weiterhin Früchte trägt, jetzt sind wir erstmal gespannt auf die gemeinsamen Projekte Pixel Lab Day und die Gamescom im August. Es ist auf jeden Fall sehr gut für uns die Unterstützung der Stadt zu haben, das war als wir mit you are hero angefangen hatten zum Beispiel noch schwieriger, da wir noch nicht so viele Kontakte zur Stadt hatten und es unter anderem schwierig war, die entsprechenden Genehmigungen zu bekommen. Wir sehen diese Kooperation als sehr fruchtbar an, zum einen für die Stadt, weil sie davon profitieren kann, dass hier tolle Projekte umgesetzt werden, und auch wir als GameLab haben jetzt direkte Ansprechpartner bei der Stadt, was die Durchführung der Projekte erleichtert. Darin steckt ein großes Potenzial und es ist toll, dass die Stadt uns das Gefühl gibt, hinter unserer Arbeit zu stehen und genauso wollen wir auch etwas tun für die Stadt in der wir leben und sie mit gestalten. Wie seht ihr die Situation der Kreativwirtschaft in Karlsruhe gerade im Bereich Games? Karlsruhe ist natürlich ein Ballungsgebiet von Kreativwirtschaft in der Gamesbranche, auch hier gab es in den letzten zehn Jahren eine rasante Entwicklung, und es ist noch viel mehr Potenzial vorhanden. Ein Stück weit ist dieser Erfolg hier in Karlsruhe auch der Stadt zu verdanken, gerade die Kultur- und Kreativwirtschaft und der Alte Schlachthof tragen maßgeblich dazu bei, indem Räume zur Verfügung gestellt werden und Interesse gezeigt wird, was sicher auch viele Akteure anzieht. Welche Perspektive wollt ihr mit dem GameLab in der Zukunft verfolgen? Wir sind bemüht, das GameLab weiter auszubauen und größer zu machen, es hat sich gezeigt, dass das Gaming und vor allem auch unser Ansatz in Kombination mit der Ausstellung ZKM Gameplay große Potenziale freisetzt. Da möchten wir ansetzen, wir wollen das GameLab stetig verbessern, in der nächsten Zeit wird man bestimmt noch mehr von uns hören! Natürlich hoffen wir auch immer, noch mehr Leute für das GameLab zu begeistern und dass sich Interessierte an der HfG im Bereich Medienkunst bewerben. Wer einen Anspruch an sich und an das Medium hat, kann unsere Arbeit hier auf jeden Fall bereichern, denn das GameLab besteht aus den Leuten, die partizipieren! Zum Abschluss noch eine Frage an dich, Greta: Du bist gerade in den letzten Zügen deiner Diplomarbeit und natürlich spielt auch das Thema Games eine große Rolle dabei, erzähl uns ein bisschen mehr! In meiner Diplomarbeit geht es um Müll. Genauer noch geht es um das Verhalten der Menschen beim Thema Abfall- und Mülltrennung und wie sich dieses mithilfe eines Serious Game verändern lässt. Monatlich werden enorme Mengen an Müll abtransportiert und verbrannt, weil die Leute den Müll nicht richtig trennen, dieses Problem wollte ich angehen und eine Lösung entwickeln, und zwar über das Medium Spiel. Aus meiner Sicht geht es nämlich hauptsächlich darum, dass ein Mangel an Informationen besteht, und genau da liegt für mich der Ansatzpunkt: In Zusammenarbeit mit dem Amt für Abfallwirtschaft soll ein memotechnisches Spielkonzept diese Informationen vermitteln, und zwar speziell an Kinder, da sich in diesem Alter das Wissen am besten formen lässt und sich tief einprägt. Im konkreten Spiel soll der Müll richtig getrennt werden, es gibt eine Story um die Kinder zu involvieren und sie zu motivieren. Mülltonnen werden dabei von Monstern repräsentiert, denen es schlecht geht, wenn der falsche Müll bei ihnen entsorgt wird. Die Kinder sollen dazu animiert werden, ihr Verhalten aus dem Spiel auf die Realität zu übertragen, es soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was besser gemacht werden kann. Dieser Ansatz zeigt hoffentlich auch, dass das Medium Spiel fähig ist, im sozialen Bereich Verbesserungen zu bewirken.   Dr. Stephan Schwingeler ist einer der Leiter des GameLab und außerdem Kurator am ZKM, dort ist er unter anderem für die Ausstellung ZKM Gameplay zuständig. Er ist studierter Kunsthistoriker und hat zum Thema Computerspiel als künstlerisches Material promoviert. Greta Hoffmann studiert Produktdesign an der HfG und ist seit dem ersten Seminar beim GameLab dabei. Mittlerweile leitet sie es gemeinsam mit Stephan Schwingeler und Brice Clocher.   Weitere Beiträge im Journal
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    12.03.2014

    Filmboard Karlsruhe e. V.

    In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten "Netzwerke" und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Anlässlich des Independent Days Filmfests 2014, welches vom 09. bis zum 13. April stattfindet,  ist das K3 Team im Gespräch mit Dr. Oliver Langewitz, dem Geschäftsführenden Vorstand des Filmboards Karlsruhe. Hallo Oliver, bitte erzähl uns zu Beginn des Interviews etwas über das Filmboard Karlsruhe. Das Filmboard ist ein gemeinnütziger Verein mit über 50 Mitgliedern aus der Filmbranche. Wir haben eine Netzwerkfunktion für die lokale Filmbranche, sind Ansprechpartner für externe Filmproduktionen und sind vor allem im sozialen und kulturellen Bereich tätig. Wir arbeiten mit verschiedenen Sozialträgern zusammen, produzieren Filme für die Verkehrsbetriebe oder machen Kinder- und Jugendprogramme. Im Kulturbereich gibt es überwiegend Veranstaltungen, hier wäre vor allem unser Internationales Filmfestival, die „Independent Days‟, zu nennen. Welche Intention steckte hinter der Gründung des Filmboards? Das Filmboard hat sich 2007 aus der Intention heraus gegründet, eine regionale Filmkommission für den Raum Karlsruhe und Baden-Baden zu installieren. Von städtischer Seite wurde uns schnell signalisiert, dass man am liebsten einen gemeinnützigen Verein unterstützen würde. Ich habe daraufhin verschiedene Filmemacher, Produzenten und Freelancer angesprochen und mit 13 Gründungsmitgliedern ist dann das Filmboard entstanden. Kannst du uns kurz einige Projekte des Filmboards vorstellen? Im Januar 2014 wurde unser Kurzfilm „Jäger und Gejagte“ fertig gestellt, der auf einer Kurzgeschichte von Alicia Sérieux basiert. Bei dem Mysteryfilm handelte es sich um ein sehr aufwändiges Projekt, das nun zuerst auf Festivals und später im TV ausgewertet werden soll. Derzeit arbeiten wir an dem Dokumentarfilm „Alle anderen sind nicht gleich anders.“, der der Frage nachgeht, wie Rassismus entsteht und man diesem begegnen kann. Dieser Film wird im Sommer 2014 fertig gestellt werden. Im Sommer letzten Jahres wurde unser Präventionsprojekt „Stell dich nicht taub‟ für die Karlsruher Verkehrsbetriebe erstmals öffentlich präsentiert. Bei diesem Projekt ging es darum, dass immer mehr Verkehrsteilnehmer mit Kopfhörern durch die Weltgeschichte radeln. Da gab und gibt es einen großen Bedarf zu informieren und das haben wir mit unserem Präventionsfilm getan. Ganz oft werden wir auch von Musikern angesprochen, die zum Teil einen großen Namen haben, aber nicht die großen Budgets. Da helfen wir dann auch gerne, einzelne Projekte zu realisieren, zuletzt der Clip „Jackson Town“ von Jamie Clarke`s Perfect. Ein weiteres Beispiel wäre unser Poesiefilm „Sugar‟, der erstmals im Rahmen der Karlsruher Literaturtage aufgeführt wurde. Wichtig und interessant ist ebenfalls unsere Film- und Medienakademie, in der wir unsere Projektarbeit unseren Workshopteilnehmern vermitteln und näher bringen wollen. Dies wird bisher sehr gut angenommen. Gibt es ein besonderes Projekt oder Mitglied, das du uns kurz vorstellen willst? Das Langfilmprojekt von Serdar Dogan, der „Achte Kontinent‟, finde ich sehr bemerkenswert und positiv und unterstütze dies auch sehr gerne. Schon sein erster Film „Kopfkino‟ war ein klasse Projekt. Es gibt aber so viele spannende Ereignisse im Laufe eines Jahres und das ist auch das Interessante an unserer Arbeit - man hat hier innerhalb des Netzwerks immer diese Dynamiken, oder Mitglieder treffen sich bei den Independent Days und stellen fest, dass sie zusammen ein Projekt realisieren wollen. Für mich als Vorstand ist es persönlich daher immer schwierig, den Einen oder Anderen hervorzuheben. Wir unterstützen grundsätzlich jeden im Rahmen unserer Kapazitäten und da möchte ich niemanden bevorzugen oder benachteiligen. Wie finanziert ihr diese Projekte und eure Arbeit? Der Verein trägt sich, was Räumlichkeiten, Infrastruktur oder Kommunikation angeht, über eine institutionelle Förderung. Über unsere Projektarbeit bekommen wir dann noch einmal Drittmittel oder Projektzuschüsse von der Stadt und anderen Institutionen sowie Stiftungen. Aufgrund unserer Gemeinnützigkeit vermittele ich die wirtschaftlich intendierten Projekte weiter, die sozialen und kulturellen Projekte realisieren wir selber und darüber kommen dann weitere Gelder in die Kasse. Welche Menschen sind denn bei euch Mitglied? Unsere Mitglieder sind überwiegend Filmemacher, die damit auch ihre Brötchen verdienen. Da gibt es Image- und Werbefilmer, Dokumentarfilmer, Regisseure, Autoren oder auch Kameraleute. Wir haben jedoch keine Zugangsbeschränkungen. Wer Interesse hat, kommt einfach zu unserem monatlichen Jour-Fixe und wenn man sieht, dass es passt, dann kann man einen Mitgliedsantrag ausfüllen und dem wird in der Regel dann auch zugestimmt – wir wollen als Ansprechpartner ja gerade auch für den Nachwuchs etwas leisten. Was kann sich der Nachwuchs und was kann ich mir von einer Mitgliedschaft beim Filmboard erhoffen? Interessant wären für den Nachwuchs sicherlich die Kontakte. Wir haben unseren Jour-Fixe, bei dem man sich kennenlernen und zueinander finden kann, wir haben unsere Webseite, nutzen Facebook oder verschicken einen wöchentlichen Newsletter. So kommunizieren wir über unsere verschiedenen Projekte und dieses gegenseitige Wissen von Personen und Projekten ist enorm wichtig. Wann und wo findet denn dieser Jour-Fixe statt? Wir treffen uns immer am ersten Donnerstag im Monat im Aurum (Alter Schlachthof 45, 76131 Karlsruhe, Anm. d. Red.). Wie erwähnt, kann hier jeder Interessierte unverbindlich vorbeischauen, man lernt sich kennen, kann sich unterhalten und Kontakte knüpfen und dann können beide Seiten schauen, ob man zueinander passt oder nicht. Wir haben ja nicht nur über 50 Mitglieder im Filmboard, sondern können auch auf ein loses Netzwerk von mehreren Hundert Filmemachern, Schauspielern etc. zurückgreifen, die nicht Mitglied bei uns sind. Verwaltung und Vereinsmeierei sind halt nicht für jeden etwas. Wir sind also nicht nach außen geschlossen und es ist auch nicht notwendig, bei uns Mitglied zu sein, um von uns beraten zu werden oder bei Projekten mitzuarbeiten. Du hast in der ersten Frage das Independent Days Filmfest genannt. Dieses findet in diesem Jahr zum 14. Mal statt, was sind die Schwerpunkte und Highlights in diesem Jahr?   Erfahrungsgemäß für großen Andrang sorgen werden sicherlich die Wettbewerbsblöcke - hier insbesondere die Finalblöcke und die Preisverleihung - unser Regionalblock „Karlsruhe&Friends“ und der nicht ganz ernstgemeinte Kurzfilmblock „Trash für eine böse Welt“. Zudem stellen wir im Indierama außer Konkurrenz thematische Filmblöcke zusammen. Wir haben zum Beispiel ein Programm speziell für Jugendliche, „Teenager Stories“, möchten mit „Life is a Cartoon“ Animationsfreunde ansprechen und beleuchten mit „Willkommen zuhause – Distillery 20 Jahre Club Geschichte“ die Entwicklung der Technoszene in Deutschland. Horrorfilmfreunde kommen bei „Horror, Thrill & Zombie-Culture“ auf ihre Kosten und beim Programmblock „Der Ruf Gottes“, den wir in Kooperation mit dem Roncalli-Forum ausrichten, setzen wir uns mit aktuellen Glaubensfragen auseinander.  Ich denke, uns ist wieder ein bunter Mix gelungen mit insgesamt 114 Filmen der unterschiedlichsten Genres, erzählerischen Ansätzen und voller künstlerischer Innovationen. Stichwort „Kreativwirtschaft in Karlsruhe‟: Wie beurteilst du die momentane Situation der Karlsruher Kreativwirtschaft? Ich glaube, die Stadt hat sehr gute Weichen für die Kreativwirtschaft gestellt. Die Situation sieht an anderen Standorten viel prekärer aus, weil dort nicht die Finanzmittel von städtischer Seite da sind. Karlsruhe ist attraktiv und expandiert, damit ist natürlich auch verbunden, dass die Preise steigen. Das muss man irgendwie auffangen. Wir haben viele große Unternehmen und die Verkehrsanbindung ist sehr gut. Die Kreativwirtschaft ist also politisch gewünscht und ökonomisch sind wir ein sehr guter Standort. Die niederländische Botschaft sondiert beispielsweise gerade mögliche Standorte in Deutschland für Kreativschaffende und die war von Karlsruhe sehr angetan. Man muss wissen, dass die Niederländer in der Kreativwirtschaft führend sind, die hängen sich richtig ins Zeug, werden staatlich gefördert und haben große Verbände, die sich engagieren. Wenn das dann jemand sagt, der aus einem Land kommt, das in diesem Bereich sehr gut aufgestellt ist, dann ist das schon ein Zeichen, dass hier einiges richtig gemacht wird und Karlsruhe für Kreativschaffende durchaus attraktiv ist. Wie siehst du Karlsruhe im Vergleich zu anderen Städten? Vergleicht man Karlsruhe mit Großstädten wie Berlin oder Hamburg, dann herschen dort oftmals eine größere Konkurrenz oder eine mindere Auftragslage. Vergleicht man Karlsruhe wiederum mit anderen Städten der gleichen Größe, dann ist die Situation hier beachtlich. In vielen Bereichen, wie z. B. in der IT-Branche, ist Karlsruhe führend in Deutschland. Da muss man sich natürlich entscheiden: Möchte ich in einer kleineren, mittelgroßen Stadt leben und arbeiten, in der die Auftragslage gut ist, oder möchte ich in einer Großstadt leben und arbeiten, in der man eventuell weniger Aufträge hat? Da man gerade in dieser Branche von etwas leben muss, ist man auch immer von einer starken Wirtschaft abhängig, die hier definitiv vorhanden ist. Was würdest du noch verbessern? Ich würde mir wünschen, dass man noch selbstbewusster auftritt, stärkere Kommunikationsstrategien nach außen fährt und sagt: Wir haben hier in Karlsruhe alles, was man braucht! Hier vermisse ich leider noch eine klare Linie, in der wir die Charakteristik des Standorts mit einem emotionalen und identitätsstiftenden „Markenkern“ vermitteln. Wie beurteilst du in diesem Zusammenhang die Arbeit des K3 Büros und der Stadt? Ein Büro wie das K3 Büro finde ich sehr hilfreich, gerade für die Nachwuchsberatung. Ich sehe immer wieder Bedarf an Workshopreihen und Veranstaltungen, die man anbietet und nach außen transparent macht. Das sind schon wichtige Aufgaben, die da übernommen werden. Da die Stadt auch immer wieder extern in vielen Bereichen angesprochen wird, ist es ganz wichtig, dass es dafür eine entsprechende Ansprechstelle gibt. Ich persönlich finde es sehr gut, dass die Stadt da einen sehr offenen und ehrlichen Dialog anregt und versucht, möglichst viele Standpunkt zu hören. Was dann daraus abgeleitet werden kann, ist dann noch einmal eine ganz andere Sache - Ressourcen sind ja leider doch endlich, personell und finanziell-, ich glaube aber, das funktioniert hier in Karlsruhe schon ganz gut. Wie ist das Verhältnis von Kreativnetzwerken untereinander? Sieht man sich da als Konkurrenten oder als Partner einer gemeinsamen Sache an? Das möchte ich beides bejahen. Es gibt diesen merkwürdigen Begriff der Koopkurrenz, das heißt, jeder Freelancer ist sein eigener Herr und jeder andere ist in irgendeiner Weise auch ein Konkurrent. Bei einem Projekt, bei dem man dann doch mal 5 bis 6 Mitarbeiter braucht, geht man natürlich eine Kooperation ein. In Bezug auf Netzwerke war ich noch nie ein Freund von dem Gedanken der Konkurrenzsituation. Sicherlich gibt es immer wieder Institutionen, die etwas Ähnliches machen, aber da darf man sich nicht zerfleischen, das finde ich nicht zielführend. Man sollte sich lieber zusammensetzen und gemeinsame Schnittpunkte finden. Du als Karlsruher möchtest zukünftige Existenzgründer in deine Stadt holen: Wie würdest du sie überzeugen? Ich habe es persönlich noch nie nachvollziehen können, warum man nicht nach Karlsruhe kommt und in andere Städte zieht. Für Kreative sind natürlich in erster Linie die gute Auftragslage und Infrastruktur von Interesse. Karlsruhe hat in Relation zu seiner Größe aber auch eine extrem hohe Lebensqualität und ein sehr vielfältiges kulturelles Angebot auf einem sehr hohen Niveau. Gerade das Verhältnis der großen Institutionen zu einer sehr vielschichtigen Kleinteiligkeit finde ich hier sehr interessant. Das macht die Stadt lebendig. Es ist zwar etwas kleiner und übersichtlicher, aber das ist für mich gerade das Angenehme – man ist nicht so distanziert. Man muss zwar mit der Karlsruher Mentalität zurechtkommen, aber wenn man ein wenig aufgetaut ist und sich kennengelernt hat, dann ist das alles schon sehr herzlich hier, und das finde ich das Begrüßenswerte. Wenn diese Existenzgründer dann hier sind: Welche Ratschläge würdest du ihnen mit auf den Weg geben? Wichtig ist im Vorfeld ein sehr guter Business-Plan und dass man darüber nachdenkt, welche Zielgruppe man ansprechen will. Auch Vertriebswege oder juristische Fragestellungen müssen vorab geklärt sein. Man darf nicht vergessen, dass gerade das Internet eine sehr heiße Plattform ist, wenn es darum geht, seine Produkte zu vertreiben. Das Internetrecht ändert sich ständig und teure Abmahnungen können schnell auf dem Tisch liegen. Für Existenzgründer ist das existenzbedrohlich. Hier muss man einfach schauen, wie der jeweilige Markt funktioniert und sich sehr gut beraten lassen und informieren. In der Kreativwirtschaft gibt es viele institutionelle Themen, die man beachten muss, z. B. die Künstlersozialkasse - da muss man eine mögliche KSK-Abgabepflicht in seinen Kalkulationen berücksichtigen. Es kann natürlich auch sein, dass es eine gewisse Zeit, auch ein paar Jahre, dauern kann, bis sich eine Geschäftsidee trägt und etabliert. Da ist Durchhaltevermögen gefragt und man darf nicht sofort enttäuscht aufgeben. Ich würde auch jedem Existenzgründer raten, sich die richtigen Partner und die richtigen Anwälte zu suchen. Gerade wenn man jung ist, lässt man sich davon begeistern, dass sich Andere für die eigene Idee interessieren und dann lässt man sich ausbeuten. Da muss man wirklich aufpassen. Man kann also ein paar Weichen selber stellen, dann muss man aber auch mit den Strukturen des Systems kämpfen, das ist schon manchmal hart. Aber das ist leider überall in der Welt so. Dr. Oliver Langewitz ist der geschäftsführende Vorstand des Filmboards Karlsruhe und Leiter der Film- und Medienakademie Karlsruhe Weitere Beiträge: Journal
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