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In unserer Interviewreihe stellen wir die wichtigsten "Netzwerke" und Institutionen der Karlsruher Kultur- und Kreativwirtschaft vor. Diesmal ist das K³-Team im Gespräch mit Kristof Knauer von der Fettschmelze auf dem Alten Schlachthof.

Was ist die Fettschmelze und welche Idee steckt dahinter?Sinn und Zweck ist erstmal eine Bürogemeinschaft für Kreativschaffende. Ich betreibe die Fettschmelze zusammen mit Lukas Hechinger, der Steckwerk ins Leben gerufen hat, daneben gibt es aber zum Beispiel auch Architekten und Designer bei uns, das wechselt natürlich mit der Zeit. Aktuell arbeiten 6-7 Personen in der Bürogemeinschaft.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen und was musste noch passieren, bis Ihr 2012 dann starten konntet?Wir haben schon vor der Fettschmelze Veranstaltungen hier auf dem Alten Schlachthof organisiert, wie das Undergrounddinner oder Wild am Sonntag. Dadurch sind wir dann auf die Fettschmelze aufmerksam geworden und haben sie für uns entdeckt. Nach meinem Studium habe ich dann ein Nutzungskonzept für das Haus bei der Stadt eingereicht, und schließlich fiel die Entscheidung, dass wir mit der Fettschmelze als Bürogemeinschaft starten können. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden gab es in der Fettschmelze zuvor bereits eine Umnutzung, sodass wir sie mehr oder weniger nutzen konnten, wie sie war. Trotzdem gab es am Anfang noch viel Arbeit. Zwei bis drei Monate haben wir schon noch renoviert bevor wir einziehen konnten.

Wie sieht bei Euch in der Bürogemeinschaft die Zusammenarbeit aus? Gibt es zum Beispiel auch gemeinsame Projekte?Zunächst arbeitet hier jeder an seinen eigenen Projekten. In letzter Zeit gab es allerdings immer mehr Überschneidungen in einzelnen Punkten, sodass wir uns auch gegenseitig bei Projekten unterstützen.

Die Fettschmelze besteht aber nicht nur aus der Bürogemeinschaft, sondern auch aus Veranstaltungsräumen, wie werden die genutzt?Richtig, zu unserem Konzept gehören auch die Veranstaltungsräume, momentan finden dort sehr unterschiedliche Formate statt. Das können Kunstausstellungen sein, aber auch Party- oder Dinnerveranstaltungen. Anfangs haben wir einfach viel ausprobiert, mittlerweile hat sich mehr oder weniger herausgestellt, welche Events sich gut mit dem Bürobetrieb vereinbaren lassen, das sind vor allem auch Veranstaltungen am Wochenende und Ausstellungen.

Eine dieser regelmäßigen Veranstaltungen ist Wild am Sonntag, worum geht es dabei und wie kam die Idee dazu?Wild am Sonntag gab es schon, bevor wir in die Fettschmelze kamen und ist eine Sommerveranstaltung im Freien mit DJs, Getränken und Snacks, das Ganze fängt nachmittags an und geht bis abends. Wir wollten auch sonntags eine Veranstaltung haben, die in einem gemütlichen Rahmen elektronische Musik bietet und bei der man das Wochenende ausklingen lassen kann. Wild am Sonntag bietet genau das und kommt einfach sehr gut bei den Leuten an.

Gibt es aktuelle Projekte und Veranstaltungen, die Ihr uns näher vorstellen wollt?Am 13. September, am Tag des Karlsruher Galerienrundgangs, ist die Eröffnung für eine Ausstellung von Max Santo mit dem Titel "Der Schatten des Löwen". Die Ausstellung wird dann bis zum 29.September zu sehen sein. Es wird eine installative Arbeit sein, die sich stark mit dem bestehenden Raum auseinandersetzt.Darauf sind wir schon sehr gespannt, da er auch mit dem vorhandenen Raum arbeiten wird. Allgemein funktioniert die Fettschmelze als Ausstellungsraum besonders gut, wenn sich die Künstler mit den Räumlichkeiten auseinandersetzen.

Wie wird es für die Fettschmelze in Zukunft weitergehen?Als wir damals mit dem Projekt begonnen haben, dachten wir, wir würden für vielleicht ein oder zwei Jahre die Fettschmelze nutzen, mittlerweile haben wir aber gemerkt, dass das alles in seiner jetzigen Form sehr gut funktioniert. Momentan planen wir auf jeden Fall, länger hier zu bleiben, in welche Richtung wir weitergehen ist aber noch offen, wir wollen uns derzeit noch nicht festlegen und auch nichts ausschließen!

Wie seht Ihr selbst Eure besondere Rolle auf dem Alten Schlachthof?Ich glaube schon, dass wir eine besondere Rolle einnehmen, weil wir untypischerweise in das Gebäude kamen, bevor eine große Sanierung stattfand, was ja normalerweise andersrum passiert. Die Fettschmelze tut dem Gelände ganz gut, weil wir auch Veranstaltungen machen, die sich nicht in ein klassisches Bild pressen lassen und auch eigenständig sind. Dadurch kann sich viel entwickeln, egal ob für Leute die auf dem Schlachthof arbeiten oder als Besucher herkommen.

Wie würdest Du generell das Zusammenleben auf dem Alten Schlachthof beschreiben?Ich finde, das wird immer besser, es gibt immer mehr Austausch und es gibt auch andere Büros, wie zum Beispiel die netzstrategen, die regelmäßig Veranstaltungen organisieren. Dieser Austausch ist auf jeden Fall vorhanden, auch wenn er noch nicht unbedingt im großen Rahmen auf einer geschäftlichen Ebene stattfindet. Das braucht aber auch einfach viel Zeit. Generell habe ich das Gefühl, dass sich hier alles sehr positiv entwickelt und in eine richtige Richtung geht.

Hast Du selbst wertvolle Tipps für Gründer, wie sie ihre Idee erfolgreich umsetzen können?Besonders wichtig ist Durchhaltevermögen, aber das hört man ja sehr oft. Beratung kann am Anfang helfen auch um in Kontakt mit anderen Gründern zu kommen und sich austauschen zu können. Der psychologische Aspekt des selbstständigen Arbeitens wird am Anfang gerne unterschätzt. Man muss schließlich ständig hinterher sein, dass auch Geld reinkommt und man sich finanzieren kann. Der heißeste Tipp: Anfangen! Einfach mal machen, und auch nicht auf zu viel Rat von außen setzen, wenn man nämlich ständig hört, auf was man alles achten muss, hilft einem das im Zweifel auch nicht unbedingt weiter. Man lernt meiner Erfahrung nach mehr, wenn man versucht, schnell an den Markt zu kommen und die Reaktionen abzuwarten. Vieles kann geplant werden, was natürlich auch wichtig ist, aber oftmals ist es besser, Dinge einfach in die Tat umzusetzen.

Kristof Knauer hat Architektur studiert und während des Studiums das Projekt Undergrounddinner gegründet. Zusammen mit Lukas Hechinger hat er 2012 die Bürogemeinschaft in der Fettschmelze auf dem Alten Schlachthof ins Leben gerufen.

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