Kultur- und Kreativwirtschaft in Karlsruhe

Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen - also nicht primär dem öffentlichen (Museen, Theater, Orchester in öffentlicher Trägerschaft) oder zivilgesellschaftlichem Sektor (Kultur-, Kunstvereine, Stiftungen, etc.) zuzuordnen sind. Zur Kultur- und Kreativwirtschaft werden elf Teilmärkte bzw. -branchen gezählt. Bund und Länder haben sich dabei an der Definition der Enquète-Kommision "Kultur in Deutschland" orientiert. Die Teilmärkte Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architekturmarkt und Pressemarkt werden unter dem Begriff „Kulturwirtschaft“ zusammengefasst. Hinzu kommen die beiden Teilmärkte Werbemarkt und Software-/Games-Industrie als sogenannte Kreativbranchen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird insbesondere von Freiberuflern sowie von Klein- und Kleinstbetrieben geprägt[1].

Die Kultur- und Kreativwirtschaft zieht als Cluster nicht nur andere KKW-Unternehmen an. Vielmehr wirken die Angebote und Dienste der KKW besonders attraktiv auf viele andere Branchen. Daher kommt der KKW eine Querschnittsfunktion zu, die Standorte insgesamt attraktiver macht. Insbesondere in Zeiten der Digitalisierung und Virtualisierung von Arbeitsplätzen spielt es keine Rolle mehr, wo gearbeitet wird. Dann gewinnen Standorte an Attraktivität, wo es viele inspirierende Kulturangebote gibt. Daher hat die KKW Magnetfunktion für alle Cluster- und Standortaktivitäten[2].

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in Deutsch­land regional sehr unterschiedlich verteilt. In Baden-Württemberg waren laut dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus im Jahr 2018 rund 230.000 Menschen in der Kultur- und Kreativwirtschaft erwerbstätig und erwirtschafteten einen Umsatz von über 24 Milliarden Euro [3]. Im Rah­men des Monitoringberichts Kultur- und Kreativwirtschaft 2020 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wurde die Zahl der Beschäf­tigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft in allen 294 Landkreisen und 107 kreisfreien Städten in Deutschland genauer untersucht. Der Anteil der KKW an der Gesamtbeschäftigung in Deutschland liegt dabei bei bis zu 10 Prozent, der Durchschnittswert bei rund 2,0 %. Karlsruhe rangiert hier bundesweit mit 7,6 %[4] (entspricht ungefähr 18.000 Beschäftigten) auf einem sehr starken 4. Platz und stellt im Südwesten ein Zentrum der Kultur- und Kreativwirtschaft dar. Jedes 10. Unternehmen gehört in Karlsruhe zu diesem Sektor.

Quelle: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2020 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Damit birgt die Kultur- und Kreativwirtschaft großes Potenzial für den Wirtschafts- und Kreativstandort Karlsruhe. Die positive Entwicklung wird mehr und mehr auch durch überregionale Studien und Auszeichnungen bestätigt. So platzierte sich die Fächerstadt in der zweiten Ausgabe des internationalen Städtevergleichs „Kultur und Kreativität“ von der Europäischen Kommission in der Kategorie der Städte mit bis zu 500.000 Einwohnenden erneut auf dem zweiten Platz. Seit Ende 2019 darf sich Karlsruhe zudem UNESCO Creative City of Media Arts nennen und das als erste deutsche Stadt überhaupt.

Karlsruhe gilt als idealer Nährboden für neue Talente, neue Ideen und neue Geschäftsmodelle. Viele der derzeit rund 43.000 Studierenden an den zehn Hochschulen sind in kreativaffinen Studiengängen eingeschrieben. Den hier ausgebildeten kreativen Köpfen sollen möglichst gute Rahmenbedingungen zur beruflichen Entwicklung gegeben werden. Gerade jungen Unternehmen bietet die Region ausgezeichnete Bedingungen, bescheinigt die Studie des Fraunhofer ISI „Potenzialanalyse Kreativpark Karlsruhe“[5]: Die Stärken der Stadt liegen auf den technologienahen Feldern der Kreativwirtschaft. Insbesondere die Schnittstelle zwischen Technologie, Design, Kunst, Forschung und Wissenschaft birgt Potentiale für Innovationen.

Karlsruhe verfügt darüber hinaus über eine sehr lebendige und vielfältige kulturelle Szene, die einen wesentlichen Anteil am besonderen Charakter des Kreativstandorts hat. Besucherstarke Messen wie die „art Karlsruhe“ aber auch bedeutende Institutionen wie das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) stärken auch überregional das Image der Stadt als Kultur- und Kreativstandort.

Die Stärke der Stadt Karlsruhe im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft wurde auch auf europäischer Ebene zweifach in 2017 und 2019 beim Städtevergleichs "Kultur und Kreativität" der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission bestätigt. Der Städtevergleich misst und fördert das kreative und kulturelle Potenzial europäischer Städte. Danach belegt Karlsruhe in der Kategorie der Städte mit bis zu 500.000 Einwohnenden Platz 2 nach Florenz[6].

 

Imagebild karlsruhe@digital, Foto: ONUK

Karlsruhe digital, Foto: ONUK

 

Kreativpark Alter Schlachthof

Im Rahmen des Masterplans wurde der Kreativpark Alter Schlachthof, ein sieben Hektar großes Quartier für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Karlsruhe geschaffen. In einem inspirierenden Umfeld arbeiten mittlerweile 1.600 kreative Köpfe in neuen, zukunftsträchtigen Arbeitsfeldern.
Bei der regelmäßig alle zwei Jahre stattfindenden Befragung der Nutzer*innen des Alten Schlachthofes zeigt sich folgende Verteilung der Branchen:

Branche der befragten Nutzer des Alten Schlachthofs 2019 (n=149), im Vergleich 2017 (n=90) und 2015 (n=87) (Angaben 2019 um Branchen der nicht-antwortende Nutzer ergänzt; Mehrfachnennungen möglich, n=absolute Zahlen)

Die meisten Nutzer*innen kommen aus dem Bereich Designwirtschaft, Software/Games, Werbemarkt und Kunstmarkt. Auch die Filmwirtschaft, der Architekturmarkt und die Musikwirtschaft sind auf dem Gelände sichtbar vertreten. Alle Bestandsflächen sind vollständig belegt und frei gewordene Räume werden aufgrund der sehr hohen Nachfrage schnell wieder vergeben.

Auf dem Kreativpark Alter Schlachthof sind nicht nur Büros, Atelier und Werkstätten für Kultur- und kreativschaffende vorhanden, sondern auch gerade die vielen Veranstalter wie das Kulturzentrum Tollhaus, das Substage, die Alte Hackerei aber auch das Spuktheater prägen das Gelände und sind großer Teil seiner Qualität, Attraktivität und überregionalen Strahlkraft.

Perfekt Futur – Zentrum für kreative Gründungen    

Auf dem Schlachthof ist auch das Perfekt Futur, ein Zentrum für Gründer*innen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft angesiedelt. In der ehemaligen Schweinemarkthalle stehen heute 68 Seefrachtcontainer über- und nebeneinander gestapelt. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Perfekt Futur eröffnete im April 2019 das rund 3.300 qm große FUX - Festigungs- und Expansionszentrum, um jungen Unternehmen aus den Kreativbranchen, die aus dem Gründungszentrum herauswachsen, eine Entwicklungsperspektive auf dem Gelände zu bieten. Dort hat auch das K³ Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro des Kulturbüros des Kulturamtes und der Wirtschaftsförderung seine Geschäftsstelle. Zu seinen Aufgaben gehören kostenfreie Beratungen, Kongresse, Workshops sowie der Aufbau und die Stärkung der Netzwerke in der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Verein ausgeschlachtet e.V.

Der im Jahr 2010 von den Nutzer*innen des Schlachthof Areals gegründete Verein ist ein spartenübergreifender Zusammenschluss von Kulturinstitutionen, Unternehmen aus den Bereich der Kreativwirtschaft, Künstler*innen, Künstlerorganisationen und freien Kulturträgern die auf dem Schlachthofgelände ansässig sind.

Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, Kunst, Kultur und Kommunikation im Kreativpark Alter Schlachthof zu fördern. Er setzt sich für die Interessen der Mieter*innen und Nutzer*innen des Geländes ein und möchte eine positive Atmosphäre für die Unternehmen der Kreativbranche und die Kunst- und Kulturschaffenden erhalten und herstellen. Diese ist geprägt von einem Für- und Miteinander auf dem Gelände, einer offenen und transparenten Kultur des Austausches unter den Mieter*innen, Nutzer*innen und Besucher*innen sowie der aktiven Mitgestaltung des Areals und der Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen.

Der Verein ausgeschlachtet e.V. organisiert alle zwei Jahre einen Tag der offenen Türen, der wie der Verein selbst „ausgeschlachtet“ heißt. Ebenfalls alle zwei Jahre, im Wechsel mit dem Tag der offenen Türen, veranstaltet er die Kulturnacht „Schwein gehabt“.

Fleischmarkthalle als Veranstaltungshalle

Mit der endgültigen Stilllegung des Schlachtbetriebs auf dem Alten Schlachthof im Jahr 2006, wurde für die Fleischmarkthalle eine Baugenehmigung für die Nutzungsänderung zu einem Ausstellungs-, Konzert- und Theaterraum eingeholt. Fortan diente sie als flexibel nutzbarer Raum für unterschiedlichste Ideen und Veranstaltungskonzepte der Kultur- und Kreativwirtschaft und als zentraler Kommunikations- und Begegnungsort des Areals und der angrenzenden Stadtgebiete. Mit der aktuellen Sanierung wurde die Fleischmarkthalle dauerhaft als Veranstaltungshalle für bis zu 400 Besucher*innen verstetigt.

Großmarkthalle für Kunsthandwerk

Mit dem Umbau der ehemaligen Großmarkthalle wurde in der früheren Verkaufshalle ein Raum-in-Raum-Konzept umgesetzt, mit dem 12 abgeschlossene Arbeitseinheiten entstanden sind. Die Modulateliers haben alle in etwa dieselbe Größe und Raumaufteilung: Der ebenerdige Werkstattarbeitsraum (ca. 27 m²) verfügt über einen Wasseranschluss (Ausgussbecken) sowie Anschlüsse für Strom/Starkstrom und Telekommunikation. Über eine Treppe gelangt man in zweiter Ebene auf eine Lagerfläche (ca. 23 m²). Die Flächen in der Halle können gemeinschaftlich genutzt werden.

Atelierhaus - Atelier­s für freibe­ruf­li­che ­Künst­le­r*in­nen bzw. Kunst­hand­wer­ke­r*in­nen

Die Stadt Karlsruhe stellt in dem Gebäude des e­he­ma­li­gen Zerle­ge­be­trie­bes Atelier­flä­chen für freibe­ruf­li­che ­Künst­le­r*in­nen bzw. Kunst­hand­wer­ke­r*in­nen zur Verfügung. Derzeit sind alle Atelier­s ­ver­mie­tet.

Im ersten Oberge­schoss befinden sich ein Gemein­schafts­raum sowie ­Du­schen und Toiletten zur Nutzung durch alle Miete­r*in­nen des Atelier­hau­ses. Das Wohnen in den Atelier­räu­men ist jedoch ausge­schlos­sen.

Das Atelier­an­ge­bot richtet sich vorzugs­weise an jünge­re frei­schaf­fende Künst­le­r*in­nen bzw. Kunst­hand­wer­ke­r*in­nen einer anerkann­ten ­künst­le­ri­schen oder kunst­hand­werk­li­chen Ausbildung oder einer qua­li­fi­zier­ten Mitglied­schaft in einem entspre­chen­den ­Be­rufs­ver­band. Sie sollen ganz oder überwie­gend von ihrer frei­schaf­fen­den künst­le­ri­schen bzw. kunst­hand­werk­li­chen Arbeit le­ben.

 

[1] Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Branchenfokus/Wirtschaft/branchenfokus-kultur-und-kreativwirtschaft.html
[2] Quelle: https://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/KUK/Navigation/DE/DieBranche/Uebersicht/uebersicht.html
[3] https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/innovation/ausgewaehlte-branchen/kultur-und-kreativwirtschaft/
[4] Quelle: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2020 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie https://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/KUK/Redaktion/DE/Publikationen…
[5]https://www.karlsruhe.de/b1/kultur/kreativwirtschaft/HF_sections/rightC…
[6] https://composite-indicators.jrc.ec.europa.eu/cultural-creative-cities-…

Alter Schlachthof Karlsruhe, Foto: karlsruherfächer
  • Alter Schlachthof Karlsruhe, Foto: karlsruherfächer
  • Alter Schlachthof Karlsruhe, Foto: karlsruherfächer
  • Alter Schlachthof Karlsruhe, Foto: karlsruherfächer
  • FUX Festigungs- und Expansionszentrum, Foto: LR Architekten
  • FLOW Kreativraum, Foto: www.thelivingeye.com
  • Perfekt Futur, Foto: Matthias Kapica

Karlsruhe als UNESCO creative city of media art – Karlsruhe ist Medienkunst

Karlsruhe wurde Ende Oktober 2019 in das weltweite UNESCO Creative Cities Network aufgenommen – als erste deutsche Stadt in der Kategorie Medienkunst. Die von der UNESCO ausgewählten Mitglieder*innen des Netzwerks haben Kultur und Kreativität als entscheidenden Teil ihrer eigenen Identität und eine der zentralen Stützen einer nachhaltigen Zukunftsstrategie erkannt. Im Rahmen des Bewerbungsprozesses haben rund 40 Institutionen aus Kultur, Kreativwirtschaft, Forschung, Wissenschaft und der digitalen Open-Source-Szene sowie städtische Gesellschaften und Dienststellen ihre Kräfte gebündelt, auch das K³-Büro ist Partner dieser Community. Der Aktionsplan sieht vor, die Stadt­ent­wick­lung durch Kultur- und Kreativ­wirt­schaft weiter voran­zutreiben, indem wei­tere Arbeits­räume für Kultur-, Kreativ- und Medien­schaf­fen­de auf dem Kreativ­park Alter Schlacht­hof gebaut werden und die Be­treu­ung und Beratung durch das städtische K³ Kultur- und Krea­tiv­wirt­schafts­büro entspre­chend erweitert wird.

Karlsruhe als Unesco Creative City of Media Art